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Hüttentrekking im Zillertal: Tourenbericht Berliner Höhenweg

Im vergangenen Sommer bin ich zusammen mit meinem guten Freund Moritz den Berliner Höhenweg gelaufen. Wir haben uns für diesen klassischen Höhenweg im Zillertal entschieden, da wir eine Tour gesucht haben, die etwa eine Woche dauert, gut für uns aus Norddeutschland zu erreichen ist, landschaftlich reizvoll und spannend zu laufen ist. Eine detaillierte Tourenbeschreibung findet ihr in diesem Faltblatt, das einen guten Eindruck von den einzelnen Etappen vermittelt. Einen zusätzlichen Wanderführer benötigt man nicht, wie immer würde ich aber zur Mitnahme von Kartenmaterial im Maßstab 1:25.000 raten (Alpenvereinskarten 35/1 und 35/2). Nach meinen Schilderungen zu den einzelnen Etappen verliere ich ein paar Worte zu meiner Ausrüstung, mit der ich auf dieser Tour wirklich außerordentlich zufrieden war. Abschließend gehe ich auf die Schwierigkeit der Tour und die mit ihr verbundenen Anforderungen ein. Bei den Zeitangaben zu den Etappen halte ich mich an die Angaben in dem oben genannten Faltblatt. Die Gehzeiten hängen natürlich ganz maßgeblich von der persönlichen Fitness und den äußeren Bedingungen ab. Wir waren bei guten Bedingungen in der Regel deutlich schneller als die Angaben im Faltblatt. Bei schwierigen Bedingungen mussten wir uns hingegen schon wirklich anstrengen, um die Zeitangaben zu unterbieten. Es handelt sich um die reine Gehzeit. Pausenzeiten sind also nicht mit eingerechnet.




Tag 1: Finkenberg – Gamshütte, 1000 hm Aufstieg, 3 Stunden 

Nachdem wir uns gegen 14:00 Uhr in Finkenberg getroffen haben, folgt der eher umspektakuläre Aufstieg zur Gamshütte. Der Weg führt hauptsächlich durch einen angenehm schattigen Wald und ist leicht zu laufen. 1000 hm sind genau die richtige Dosis, um die Muskulatur auf die bevorstehenden Belastungen vorzubereiten. Auf dem Weg überholen wir eine geführte Bergschulgruppe. Die Gruppe werden wir in den kommenden Tagen immer wieder sehen, wobei das Überholen der stoisch dem Bergführer folgenden Gruppenmitglieder nicht immer ganz einfach war… Die Gamshütte ist eine recht kleine und spartanisch ausgestattete Alpenvereinshütte, der man die Nähe zum Tal noch etwas anmerkt. Wir hatten zwar bereits einige Wochen im Voraus versucht zu reservieren, die Hütte war jedoch bereits voll. Wir mussten daher mit einem Notlager im Gastraum vorlieb nehmen. Der Hüttenwirt stellte jedoch Faltmatratzen und Decken zur Verfügung, so dass ich das Notlager im Ergebnis deutlich komfortabler fand als die Meisten normalen Lager auf AV-Hütten.

Tag 2: Gamshütte – Olpererhütte, 1550 hm Aufstieg, 1100 hm Abstieg, 10 Stunden

Für den zweiten Tag haben wir uns gleich ein recht ordentliches Tourenpensum vorgenommen. Da die Olpererhütte eine meiner absoluten Lieblingshütten in den Alpen ist, wollten wir das Friesenberghaus, das eigentliche Etappenziel, überspringen und direkt bis zur Olpererhütte durchlaufen.

Der Tag beginnt früh. Noch vor 6:00 Uhr weckt uns der Hüttenwirt und bittet uns das Notlager im Gastraum zu räumen, damit er das Frühstück vorbereiten kann. Wir machen uns kurz frisch und packen zügig unsere Sachen. Da der Frühstücksbeginn noch nicht absehbar ist, als wir fertig sind, entscheiden wir uns, ohne Frühstück aufzubrechen. Angesichts des zumeist katastrophalen Preis-Leistungs-Verhältnisses für das Frühstück auf AV-Hütten ist der Verzicht auf das Frühstück im Allgemeinen eine vertretbare Entscheidung. Für mich hat sich die Entscheidung jedoch später gerächt. Wenn man eine Doppeletappe mit 10 Stunden Gehzeit bei schlechten Bedingungen plant, sollte man jedoch definitiv nicht an der Kalorienzufuhr sparen. Ich brauche bei einer so langen Etappe einfach eine solide Grundlage und vor allem einen Kaffee, damit das System auf Touren kommt!

Als wir aus der Hütte treten, folgt die nächste Ernüchterung. Es regnet. Die bevorstehende Etappe soll angeblich nicht ganz ohne sein. Der Hüttenwirt hatte ausdrücklich davon abgeraten, die Etappe bei Regen zu laufen. Wir wollen jedoch nicht gleich am ersten Tag der Tour anfangen, Kompromisse einzugehen, halten uns zudem für ausreichend erfahren und gehen die Etappe daher dennoch an. Für uns die richtige Entscheidung, aber letztlich muss ich schon sagen, dass die Etappe bei Regen wirklich recht unangenehm zu laufen war. Der Weg führt überwiegen durch extrem steile, rutschige Grasflanken oder über Blockwerk, das mit Flechten bewachsen ist, die in Verbindung mit Regen einen unglaublich schmierigen Untergrund schaffen. Im Übrigen nässen in den Grasflanken unsere Stiefel sofort durch, insbesondere der bergseitige rechte Stiefel. Weder frisch aufgetragenes Wachs noch Gore-Tex können  den triefend nassen Grasbüscheln am Wegesrand etwas entgegensetzen. Das Wasser steht regelrecht in unseren Stiefeln, was nicht gerade zu unserem allgemeinen Wohlbefinden beiträgt.

Im Ergebnis kommen wir ohne große Probleme durch die Etappe. Ich habe allerdings einen Hungerast nach dem anderen und muss ständig nebenbei essen. Nie wieder verzichte ich vor einer so langen Etappe auf das Frühstück! Zudem bremst uns der rutschige Untergrund schon recht stark, so dass wir – anders als wir es gewohnt sind – nicht deutlich schneller als die Zeitangaben im Wanderführer sind, sondern wir sie trotz großer Anstrengung nur knapp unterschreiten. Zudem müssen wir permanent die Konzentration auf höchstem Niveau halten. Ein falsch platzierter Schritt kann bei diesen Bedingungen fatal enden. Das erleben wir beinahe bei einem Einzelwanderer, der uns während einer Pause überholt. Wenige Meter vor uns passt er in einem steilen Blockwerk-Feld nicht auf, rutscht aus und stürzt fast ab. Zum Glück kann er sich in letzter Sekunde festhalten und ohne Verletzung weiterlaufen. Der Vorfall löst auch bei uns einen mittleren Adrenalinstoß aus, der uns ermahnt, die Konzentration hoch zu halten.

Völlig durchnässt kommen wir beim Friesenberghaus an und gönnen uns erstmal Käsespätzle und Teewasser. Im Gastraum brennt der Ofen und unsere Sachen trocknen ein wenig. Welch ein gutes Gefühl, wenn sich die Wärme aus dem Magen langsam im unterkühlten Körper ausbreitet! Und endlich eine richtige Mahlzeit, die das übersprungene Frühstück wieder wett macht! Der für uns wohl schlimmste Moment der ganzen Tour kommt am Ende der Pause: Unsere vollkommen durchnässten Stiefel standen im Vorraum der Hütte und haben eine Temperatur von etwa 2°C. Wirklich kein gutes Gefühl, nach der gemütlichkeit des Gastraums in die nasskalten Stiefel zurück zu müssen.

Der weitere Weg zur Olpererhütte ist landschaftlich reizvoll, aber nach dem Mittagessen fällt es uns zunächst schwer, wieder in den Tritt zu kommen. Schließlich stecken uns zu diesem Zeitpunkt auch bereits 1400 hm Aufstieg und 850 hm Abstieg in den Beinen. Ich schwärme Moritz noch etwas von der Olpererhütte vor, da der Weg mit einem guten Ziel vor Augen doch wirklich leichter zu bewältigen ist. Als wir die Olpererhütte schließlich endlich erblicken, ist die Freude bei uns groß. Nach einer warmen Dusche gönnen wir uns ein Wiener Schnitzel und genießen einen schönen Hüttenabend mit netten Tischnachbarn. Wirklich euphorisch sind wir als wir feststellen, dass wir ein Vierbettzimmer für uns alleine haben. Nach der Nacht im Notlager und der langen Etappe im Dauerregen wirklich ein willkommener Luxus!

 Tag 3: Olpererhütte – Furtschagelhaus, 500 hm Aufstieg, 600 hm Abstieg, 4 Stunden

Nach einer sehr erholsamen Nacht in unserem gemütlichen Zimmer und einem langen Frühstück vor dem faszinierenden Panoramafenster der Olpererhütte mit Blick auf den Schlegeisspeicher brechen wir auf. Es ist kalt, aber das Wetter ist besser als gestern! Angesichts der sich abzeichnenden guten Sicht entscheiden wir uns für die etwas längere Abstiegsvariante über den Panoramaweg. Der Umweg lohnt sich definitiv. Das Panorama auf die zillerataler Bergwelt ist atemberaubend! Wir genießen den perfekt präparierten Weg und machen viele Fotos. Die Beine sind von der langen Etappe am Vortag anfangs noch etwas schwer, aber die phantastische Aussicht und das gute Wetter lassen dies schnell vergessen. Am Schlegeisspeicher machen wir eine ausgiebige Rast und beginnen dann den umspektakulären Aufstieg zum Furtschagelhaus. Leider wird das Wetter schon wieder etwas schlechter. Das Furtschagelhaus platzt zudem aus allen Nähten und es ist bitterkalt. Die Atmosphäre in der Hütte passt irgendwie auch nicht. Ärgerlich, dass wir schon so früh da sind. Im übervollen Gastraum spielen wir mit unseren erneut sehr netten Tischnachbarn etliche Runden Uno. Erleichtert fallen wir in die Betten, als wir eine Zeit erreich ist, zu der es uns vertretbar erscheint, schlafen zu gehen.

Tag 4: Furtschagelhaus – Berliner Hütte, 900 hm Aufstieg, 1060 hm Abstieg, 6 Stunden

Es ist doch überraschend, wie rücksichtslos sich manchmal Zimmergenossen auf Alpenvereinshütten benehmen können. Gerade auf beliebten Höhenwegen lässt es sich wohl aber nicht vermeide, dass sich auch ein paar unfreundliche Menschen in die Berge verirren. Zum Glück ist das die absolute Ausnahme. Nach einer wirklich schlechten Nacht stehen wir früh auf, packen und gehen zum Frühstück. Heute steht mit der Überschreitung des Schönbichler Horns (3134 m) die Königsetappe der Tour an. Die Wettervorhersage ist schön, doch noch hängen die Wolken am Berg. Schon nach einer Stunde Aufstieg sind wir in den Wolken. Wir gehen den Aufstieg auf das Schönbichler Horn erst einmal mit angenehmen 8 hm/m an. Nach dieser schlechten Nacht müssen wir erst einmal warm werden. Der Weg wird zunehmen steiler und auch anspruchsvoller. Vereinzelte Schneereste säumen den Weg, beeinträchtigen uns jedoch nicht. Kurz vor dem Gipfel beginnen Drahtseilversicherungen. Eine steile Rinne führt hinauf auf den Südgrat des Schönbichler Horns. Am Grat angekommen treffen wir einen jungen Wanderer, der offensichtlich die Ausgesetztheit des Grats nicht schätzt und sich den Gipfel am liebsten sparen möchte. Nach einem Blick auf die Karte erklären wir ihm jedoch, dass er zunächst weiter in Richtung Gipfel aufsteigen muss, um von dort über die Ostflanke den Abstieg Richtung Berliner Hütte angehen zu können. Die letzten Höhenmeter zum Gipfel sind zwar schon recht steil und ausgesetzt, aber er schafft das Stück problemlos. Kurz unterhalb des Gipfels lassen wir unsere Rucksäcke zurück, kraxeln auf den Gipfel und machen ein obligatorisches Gipfelfoto. Die Wolken nehmen uns leider größtenteils die Sicht.

Anschließend gehen wir den ausgesetzten, häufig drahtseilversicherten Abstieg an. Im Ergebnis ist der Abstieg mit etwas alpiner Erfahrung problemlos zu machen. Man sollte sich jedoch schon konzentrieren. Im Laufe unseres Abstiegs verziehen sich die Wolken und wir kommen in den Genuss von strahlendem Sonnenschein. Das Panorama der Zillertaler Gletscherwelt ist einfach atemberaubend. Als wir den steilen Teil des Abstiegs geschafft, machen wir auf der Seitenmoräne eines (ehemaligen) Gletschers eine ausgiebige Rast. Der Blick auf einen nahegelegenen Gletscher fasziniert uns so sehr, dass wir entscheiden, den Weg zu verlassen und uns über das Geröll querfeldein zum Gletscher durchzuschlagen. Der fast zweistündige Ausflug zum Gletscher hat sich für uns total gelohnt. Unser Weg war spannend zugehen, die Landschaft ist atemberaubend, wir sehen einige Steinböcke und finden einige fast schon archäologische Relikte, die der Gletscher auf unserem Weg zurück gelassen hat (uralte Handschuhe, Skelette, Flaschen etc.). Nach einer weiteren Pause am Gletscherrand schlagen wir uns zurück zum Weg durch und steigen weiter zur Berliner Hütte ab. Dort angekommen genießen wir auf der Terrasse im prallen Sonnenschein einige Biere und ein phänomenales gemischtes Brettl. Die Erschöpfung und Zufriedenheit zaubert ein breites Grinsen auf unsere Gesichter. Wir bezieh unser Zimmer und können unser Glück kaum fassen: Schon wieder ein Zweierzimmer. Keine störenden Schnarcher! Nach dem Abendessen in dem faszinierenden Gastraum der Berliner Hütte (eher eine Halle) gehen wir ausgepowert und zufrieden aufs Zimmer.

Tag 5: Berliner Hütte – Greizer Hütte, 1200 hm Aufstieg, 1100 hm Abstieg, 7 Stunden

Der folgende Tag ist vor allem eines: warm! Der Tag beginnt daher mit vielen Pausen, da wir ständig Kleidungsstücke ablegen und im Rucksack verstauen müssen. Nach etwa 400 hm Aufstieg erreichen wir den wunderschönen Schwarzsee. Wir rasten kurz, lassen die Füße kurz abkühlen (bei solchen Bedingungen verflucht man Gore-Tex!) und machen uns an den weiteren Aufstieg zur Mörchenscharte (2872 m). Die größte Herausforderung beim Aufstieg ist das Überholen zweier Bergschulgruppen. An diesen Gruppen faszinieren mich am meisten die Bergführer, die extrem durchtrainiert und zudem vermutlich äußerst begabte Bergsteiger sind, die es aber nicht aus der Ruhe bringt, den ganzen Tag mit bloß 6-7 hm/h im Aufstieg und einer bestimmt nicht immer ganz einfachen Tourengruppe hinter sich unterwegs zu sein.

Der Abstieg von der Mörchenscharte ist wiederum drahtseilversichert aber nicht sonderlich anspruchsvoll. nach etwa 500 hm Abstieg mchen wir eine ausgiebige Rast in der Sonne, die uns aber bald zu warm wird, so dass wir weiter laufen. Bei diesem Wetter ist das Rasten fast anstrengender als das Laufen, das einem wenigsten einen gewissen “Fahrtwind” ermöglicht. Am Talgrund angekommen sind wir aufgrund der Hitze schon ziemlich ausgepowert uns unsere Wasserreserven neigen sich dem Ende. Leider steht uns noch der Gegenanstieg zur Greizer Hütte bevor, der uns konditionell wirklich alles abverlangt. Zwar ist der Weg nicht sonderlich schwer, aber die Sonne knallt voll auf den Hang. Dabei ist es Windstill und die Luft scheint in dem Bewuchs des Hanges zu stehen. Der Schweiß läuft nur so an uns runter und wir merken, dass die Hitze uns wirklich an unsere Leistungsgrenze bringt. Ich fange an, mir die letzten Schlücke meines Wasser zu rationieren und nur noch alle 50 hm einen kleinen Schluck aus der Trinkblase zu nehmen. Der Aufstieg will wirklich nicht enden. Jetzt ist Disziplin gefragt! Umso schöner ist es, als wir die Greizer Hütte endlich erreichen. Wir gönnen uns erstmal ein Helles in der prallen Sonne. Selten hat ein Bier so gut geschmeckt wie nach diesem Aufstieg. Die Hütte ist zwar ziemlich überfüllt, die Atmosphäre ist aber gut und die Wirtsleute sind sehr freundlich. Die Greizer Hütte ist eine der urigsten, authentischsten Hütten auf der Weg.

Tag 6: Greizer Hütte – Kasseler Hütte, 650 hm Aufstieg, 700 hm Abstieg, 5 Stunden

Nach einer Nacht, die trotz des überfüllten Lagers recht erholsam ist, brechen wir früh auf, um uns an die Spitze der unzähligen Begeher des Berliner Höhenweges zu setzen. Es macht den Eindruck, dass der Weg von Tag zu Tag immer stärker begangen wird. Es stört uns zunehmend, dass der Weg und die Hütten so voll sind. Gerade an an den etwas schwierigeren Stellen bilden sich regelrechte Staus. Man fühlt sich schon fast wie am Hillary Step des Mount Everest ;-).

Wir ziehen das Tempo an, überholen schnell einige Tourengeher, die vor uns aufgebrochen sind, und erreichen als erste die Lapenscharte (2701 m). Wir verlieren zunächst erst wieder einige Höhenmeter und anschließend geht es wieder viel über Blockwerk. Zum Glück ist es heute trocken, so dass wir einfach von Stein zu Stein springen können. Es ist schon beachtlich, wie der Gleichgewichtssinn durch das ganze Blockwerk in den vergangenen Tagen trainiert wurde. Die eigentliche Herausforderung der Tour ist jedoch, dass man die ganze Zeit erwartet, dass die Kasseler Hütte hinter der nächsten Biegung auftauchen müsste, man aber das ganze Tal auslaufen und umrunden muss, bis man sie endlich erreicht. Nach etwa 2/3 der Etappe wird der Weg dann doch noch einmal etwas anspruchsvoller, da der Bergpfad an einigen Stellen durch Kuren weggerissen wurde. Man muss bei der Wegfindung im steilen Gelände etwas kreativ werden. Wir erreichen die Kasseler Hütte vor 12 Uhr, beziehen das Lager, duschen uns hinter eine Schuppen draußen in der Sonne und verbringen den Nachmittag damit, in der Sonne Uno zu spielen. Die Hütte ist wirklich nett gelegen und wir geniessen die Aussicht von der Terrasse.

Der Abend birgt dann noch eine Besonderheit. Die Hüttenwirte – es handelt sich um zwei Brüder – holen alle Gäste auf die Terrasse zum gemeinsamen Abendessen. Ein wirklich schönes Ritual das ein Gemeinschaftsgefühl erzeugt. Die Atmosphäre auf AV-Hütten ist wirklich etwas einmaliges! Die Hüttenwirte geben uns einen ausführlichen Bericht zu den Wegverhältnissen und der Wettervorhersage. Letztere ist zum Glück gut. Die morgige Etappe ist lang und an manchen Stellen wohl auch einigermassen anspruchsvoll.




Tag 7: Kasseler Hütte – Karl-von-Edel-Hütte, 800 hm Aufstieg, 750 hm Abstieg, 9 Stunden

Der letzte richtige Tourentag des Berliner Höhenwegs bietet noch einmal eine lange und anspruchsvolle Etappe auf. Gute Witterungsbedingungen sind für diese Etappe schon empfehlenswert. Es geht wieder viel über Blockwerk. Auf dem Aschaffenburger-Höhenweg gilt es zudem einige Kletterstellen zu überwinden, die bei Regen recht unangenehm sein dürften. Vor allem ist man aber sehr exponiert unterwegs und es gibt keine Möglichkeiten zum Notabstieg, so dass man besser nicht in ein Gewitter geraten sollte. Wir haben mit dem Wetter Glück und brechen frohen Mutes auf. In unserem Rücken beginnen sich allerdings bereits nach gut 45 Minuten dunkle Wolken aufzutürmen. Wir ziehen das Tempo an, um dem schlechten Wetter zu entkommen. Das erweist sich zum Glück als überflüssig, da das Wetter nicht in unser Tal zieht.

Die heutige Etappe erweist sich in dreierlei Hinsicht als anspruchsvoll. Zum einen ist die Etappe recht lang. Es sind 9h Gehzeit veranschlagt. Dabei gilt es sieben Schneiden zu überschreiten. Ein ständiges Auf und Ab mit viel Blockwerk zwischendurch. Zum zweiten geht es wieder an mitunter sehr steilen Grasflanken entlang. Die sind zwar an sich nicht schwer zu gehen, aber ein Fehltritt hätte hier fatale Folgen. Man muss also die Konzentration oben halten. Zum dritten gibt es einige drahtseilversicherte Kletterpassagen.

Wir genießen den letzten Tag auf dem Berliner Höhenweg, machen noch einmal viele Fotos und freuen uns, als wir die Karl-von-Edel-Hütte erblicken. Die Freude weicht aber schnell dem Wehmut, als wir auf der Hütte ankommen. Die Hütte ist extrem überfüllt. Sofort merkt man, dass man der Zivilisation wieder deutlich näher ist. Tagestouristen sehen einfach anders aus als die Tourengeher, die wir in den vergangenen Tagen gesehen haben.

Tag 8: Ahornspitze / Abstieg

Am nächsten Tag steht eigentlich nur der umspektakuläre Abstieg ins Tal an. Wir entscheiden uns noch die Ahornspitze mitzunehmen. Die Besteigung ist über einen schwarzen Bergweg möglich. Im Gipfelbereich geht es etwas ausgesetzter zu, Drahtseilversicherungen entschärfen jedoch kritische Stellen. Auf dem Gipfel genießen wir noch einmal einen tollen Ausblick. Auf dem Rückweg kommen uns viele Tagestouristen entgegen, die mit der ersten Seilbahn aus dem Tal gekommen sind. Wir steigen zügig wieder ab und geniessen einen schönen Tourenabschluss auf der Kar-von-Edel-Hütte.

Ausrüstung

Mit meiner Ausrüstung war ich auf der Tour auf dem Berliner Höhenweg besonders zufrieden. Erschöpfende Packlisten für Hüttentouren findet man im Internet zur Genüge, daher greife ich hier nur ein paar Aspekte heraus, die ich wichtig finde.

Ich habe für den Berliner Höhenweg wirklich auf Minimalismus gesetzt (ohne aber als Ultralight-Hiker unterwegs zu sein). Das fing schon bei der Wahl des Rucksacks an. Ich habe mich für den Mammut Trion Element 30 entschieden, der eigentlich mein Alltagsrucksack ist. Seine 30 Liter Packvolumen reichen für eine Hüttentour genau aus, sofern man sich beim Packen auf das wirklich notwendige beschränkt. Das Eigengewicht des Rucksacks ist zudem angenehm gering. Als Hose habe ich die Mountain Equipment Ibex Pant getragen, die ich unglaublich schätze. Sie ist leicht, bequem, wetterfest und sieht gut aus. Sie kostet zudem nur 99,95 EUR. Meines Erachtens ein echter Geheimtipp. Da ich die Hose gut hochkrempeln kann, habe ich dieses mal auch darauf verzichtet, eine kurze Hose mitzunehmen. Zwar wären Shorts an den ganz heißen Tagen schon nett gewesen, aber eigentlich habe ich den Verzicht nicht bereut. Ein absolutes Highlight war für mich auch meine Hardshell, die Rab Myriad Jacket. Die Jacke ist mit rund 400 Gramm wirklich leicht und zudem für unter 300,00 EUR zu haben. In Sachen Atmungsaktivität ist die Jacke dank Polartec NeoShell die absolute Referenz, so dass man auf die Mitnahme einer Softshell verzichten kann. Ansonsten habe ich bei Baselayern wieder auf Merinowolle gesetzt, das ist selbstverständlich. Dabei habe jedoch auf Merinowolle mit einer geringen Lycra-Beimischung zurückgegriffen, die nach meiner Einschätzung etwas robuster ist. Der Berliner Höhenweg war daher die erste Tour, bei der ich nicht mit löchriger Merino-Bekleidung zu kämpfen hatte…

Anforderungen

Der Berliner Höhenweg ist eine hochalpine Tour mit einigen anspruchsvollen Schlüsselstellen. Überwiegend besteht die Tour aus schwarzen Bergwegen. Ich würde die Tour daher nur Bergbegeisterten empfehlen, die schon etwas alpine Erfahrung haben und wissen, dass sie schwindelfrei sind. Für die ersten Bergerfahrungen gibt es geeignetere Touren wie zum Beispiel den E5 von Oberstdorf nach Meran oder Bozen.

Fazit

Mir hat der Berliner Höhenweg landschaftlich extrem gut gefallen. Die Zillertaler-Gletscherwelt ist wirklich einmalig schön. Ich kann den Berliner Höhenweg daher sehr empfehlen. Das einzige, was für uns den Genuss etwas geschmälert hat, war der Umstand, dass der Weg recht überlaufen war. Wir sind die Tour im September gelaufen und hatten gehofft, dass der Hauptansturm der Tourengehen im August erfolgt und der Weg im September etwas weniger voll ist. Dem war leider nicht so. Ich würde daher dazu raten, sofern möglich die Tour antizyklisch zu starten, also die Tour nicht am Freitag, Samstag oder Sonntag, sonder eher an einem Mittwoch zu beginnen. Dann steht einer wirklich genialen Tourenwoche mit einem spannenden Weg und netten Hütten nichts mehr im Wege!

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9 comments

  1. Servus! Nach deinem Kommentar zu meinem mittlerweile doch recht alten Tourenbericht habe ich mir gleich mal deinen durchgelesen. Wirklich klasse! Und ganz ganz tolle Fotos von der Tour – Glückwunsch!

  2. Hallo!
    Ich plane die Tour derzeit für August. Wie läuft das da mit der Verpflegung? Auf einigen Hütte sieht es so aus als gäbe es nur für DAV-Mitglieder Mahlzeiten. Gibt es auch Möglichkeiten, sich selbst zu verpflegen?
    Und wie wie schätzt du die Möglichkeit ein, die Tour mit Zelt zu machen?

    Danke schon mal im Voraus.

    Rüdiger

    • Auf allen Hütten kriegen auch Nicht-DAV-Mitglieder Mahlzeiten. Du kannst Dich natürlich auch selbst verpflegen, aber da kommt für die ganze Tour schon einiges an zusätzlichem Gewicht zusammen.

      Ich weiß nicht, ob es auf dem Berliner Höhenweg erlaubt ist, zu zelten. Ggf. ist es untersagt, da es sich um einen Nationalpark handelt. Im Gebirge muss man zudem bedenken, dass das zusätzliche Gewicht die Tour beschwerlicher macht und es im steilen Gelände nicht immer leicht ist, gute Zeltplätze zu finden. Da eine super Hütteninfrastruktur vorhanden ist, würde ich die Tour wohl eher als Hüttentour machen. Für Zelttrekkings gibt es besser geeignete Routen.

  3. Hey Jan, vielen Dank für den schönen Bericht!

    Wenn Du sagst, dass die Tour nur für erfahrene Alpinisten geeignet ist, hast Du vielleicht einen Tip für eine Hütten-Runtour von ca. 8 Tagen wo zwar die Kondition nötig ist, die alpine Erfahrung aber nicht dringend erforderlich ist? Würd mich freuen, dann ich wollte nächstes Jahr die Tour machen, bin soweit auch fit, war aber noch nie komplett alpin unterwegs…

    Dank Dir!
    Jens

  4. Heike Landsgesell

    Hallo Jan, schön wie du die Route beschrieben hast. Ich gehe jeden Sommer mit einer Freundin eine Woche Hüttenwandern. Nach Stubaier Alpen einen schöneren zu finden ist schwierig. Ich denke wir werden den Berliner Höhenweg machen. Freue mich drauf. LG Heike

    • Liebe Heike, das sehe ich genauso. Der Stubaier Höhenweg ist wirklich einer der schönsten überhaupt. Ich wünsche Euch eine schöne Tour auf dem Berliner-Höhenweg! Solltest Du nach der Tour Anmerkungen, Tipps oder aktuelle Wegänderungen haben, melde Dich gerne hier im Blog! Viele Grüße Jan

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