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Tipps zum sicheren Queren von Schneefeldern

Das Queren von Schneefeldern gehört zu den größten Gefahren bei Bergwanderungen. Momentan häufen sich die Meldungen von Unfällen auf Schneefeldern, die mitunter leider auch tödlich ausgegangen sind (siehe hier, hier und hier). Die Meldungen haben bei mir Erinnerungen an einige recht adrenalinlastige Schneefeldquerungen wach werden lassen. Da Schneefeldquerungen wirklich heikel sein können, habe ich hier mal ein paar Tipps zusammengefasst, die hilfreich sein können. In jedem Fall gilt es einen Sturz zu vermeiden. Untersuchungen zeigen, dass die Rutschgeschwindigkeit bei einem rund 40 Grad steilen, harten Firnhang bereits 98 Prozent der freien Fallgeschwindigkeit erreicht. Dies verdeutlicht, welche fatalen Folgen ein Surz auf einem Schneefeld haben kann.

1. Die Tourplanung

Das Thema Schneefelder sollte schon bei der Planung einer Tour Berücksichtigung finden. Über 2000 m halten sich Schneefelder nordseitig recht lange, durchaus auch bis in den August hinein. Seit ihr früh in der Saison unterwegs, also im Juni oder Anfang Juli, dann könnt ihr fast sicher mit Schneefeldern rechnen. Ihr solltet euch im Vorfeld der Tour bei den jeweiligen Hüttenwirten oder Alpenvereinssektionen über den Zustand der Wege und die Begehbarkeit von Schneefelder informieren und gegebenenfalls eure Tourenplanung anpassen.

2. Geeignete Ausrüstung

Sollte die Möglichkeit bestehen, dass ihr bei der Tour heikle Schneefelder überqueren müsst, dann solltet ihr geeignete Ausrüstung mitnehmen. Was man in diesem Fall auf jeden Fall dabei haben sollte, sind Trekkingstöcke. Sie können einem auf Schneefeldern deutlich mehr Stabilität und Sicherheit geben. Darüber hinaus empfiehlt sich die Mitnahme von Grödeln, deren Metallzacken auch auf hartgefrorenem Schnee Grip ermöglichen. Sollte es sich um steile oder ausgesetzte Schneefelder handeln, kann es erforderlich sein, einen Pickel mitzuführen und Steigeisen zu tragen.

Grödel gibt es in so leichten Ausführungen (280 g), dass man sie als Basisausrüstung immer im Rucksack dabei haben kann. Steigeisen und schwerere 6-Zack-Grödel bieten hingegen deutlich mehr halt. Man wird sie aus Gewichtsgründen dafür aber auch häufiger zuhause lassen. 4-Zack-Grödel, die man dabei hat, sind immer noch besser als Steigeisen, die im Schrank liegen. Wenn es steil wird, sind 4-Zack-Grödel aber nur bedingt von Hilfe.

Sofern nicht nur mit gefrorenen, sondern auch mit weichen Schneefeldern zu rechnen ist, empfiehlt sich zudem die Mitnahme von Gamaschen. Ein Seil wird man als Bergwanderer in der Regel nicht dabei haben. Für Schneefeldquerungen stellt es auch nur sehr eingeschränkt eine Hilfe dar, da es nicht sinnvoll ist, Schneefelder in einer Seilschaft zu überqueren, da die Seilkameraden einen Sturz nicht halten könnten, sondern mitgerissen würden. Man müsste also zunächst einen Fixpunkt schaffen, um Schneefeld-Begeher sichern zu können.

3. Vor dem Schneefeld

Wenn ihr ein Schneefeld erreicht, dass ihr überqueren müsst, gilt es die Lage nüchtern und objektiv zu beurteilen. Verschiedene Faktoren solltet ihr in die Beurteilung des Schneefeldes mit einfließen lassen. Die zwei entschiedensten Aspekte sind dabei:

  • Ist der Schnee hartgefroren oder weich?
  • Wie steil und ausgesetzt ist das Schneefeld?
In der Regel ist es deutlich einfacher, weiche Schneefelder zu queren als hartgefrorene, da man auf hartgefrorenen Schneefeldern weniger Halt hat und sehr leicht ausrutschen kann. In weiche Schneefeldern kann man – je nach Beschaffenheit – unangenehm einsinken. Da man nicht immer die Bodenbeschaffenheit unter dem Schnee einschätzen kann, besteht die Gefahr, das Gleichgewicht zu verlieren. Auch weiche Schneefelder können zudem sehr rutschig sein.
Die Steilheit und Ausgesetzheit eines Schneefeldes ist relevant, da von diesen Faktoren ganz maßgeblich die Folgen eines Sturzes abhängen. Ist ein Schneefeld so ausgesetzt, dass im Falle des Sturzes der Absturz droht, muss man sich besonders vorsichtig verhalten. Die Steilheit neben den Sturzfolgen aber auch für die Schwierigkeit der Schneefeldquerung relevant. Es ist deutlich anspruchsvoller, ein steiles Schneefeld zu queren, da man auf ihm deutlich schlechter Halt findet. Das gilt natürlich insbesondere auch dann, wenn man ein steiles Schneefeld nicht nur auf gleichbleibender Höhe queren muss, sondern das Schneefeld rauf oder runter muss.

Weitere Faktoren, die ihr in die Beurteilung mit einfließen lassen sollte:

  • Wie lang ist das Schneefeld?
  • Welche Ausrüstung habe ich dabei?
  • Ist das Schneefeld von Bächen unterhöhlt worden, so dass es einstürzen könnte?
  • Gibt es Tritte im Schneefeld?
  • Liegen Felsen im Auslaufbereich des Schneefeldes, die im Fall eines Sturzes gefährliche Verletzungen verursachen können?
  • Ist das Wetter konstant? Ich bin in einem größeren Schneefeld von Gewitterschauern mit Hagel überrascht worden, das war nicht sehr witzig.

Angesichts dieser (und aller weiteren im Einzelfall relevanten) Umstände solltet ihr das Schneefeld beurteilen. Sofern ihr euch dem Schneefeld nicht gewachsen fühlt, kehrt im Zweifel lieber um. Entscheidet ihr euch das Schneefeld zu überqueren, so gilt es sich im Vorhinein seine Route durch das Schneefeld zu überelgen. Dazu ist es wichtig im Vorhinein auszumachen, wo man wieder auf den Weg kommt. Es gibt nichts unangenehmere, als sich in einem hartgefrorenen Schneefeld zu versteigen. Bei der Routenplanung ist es zudem in der Regel ratsam – so weit wie möglich – das Schneefeld nicht absteigend, sondern eher leicht ansteigend zu queren.

Ganz wichtig ist es zudem, bereits vor dem Schneefeld die Entscheidung zu treffen, ob Grödel bzw. Steigeisen angelegt werden müssen oder nicht. Ist man erst einmal im Schneefeld wird das Anlegen kaum noch möglich sein. Im schlimmsten Fall kommt man weder vor noch zurück.

4. Fortbewegung auf dem Schneefeld

Im Schneefeld gilt es sich konzentriert fortzubewegen. Mit kontrollierten Bewegungen und eher kleinen Schritten bewegt man sich langsam und gleichmäßig fort. Die Gewichtsverlagerungen sollten immer sehr präzise erfolgen, damit man nicht in Verlegenheit gerät, das Gleichgewicht zu verlieren. Zudem sind die Stöcke zur Stabilisierung einzusetzen. In der Regel bietet es sich an, die Stöcke im Wechsel zu setzen. An kritischen Stellen kann es im Einzelfall auch vorteilhaft sein, die Stöcke parallel einzusetzen, beispielsweise an kurzen steilen Passagen.

Auf hartgefrorenen Schneefeldern finde ich es in der Regel einfacher, in schon existierenden Trittspuren zu laufen, sofern sie vorhanden sind, da sie häufig stumpfer sind und Stufen zum Treten bieten. Das ist aber immer sehr stark vom Einzelfall abhängig. In weichen Schneefeldern finde ich es häufig leichter, neben bestehenden Trittspuren zu gehen, da man gut halt findet, wenn man den Schnee mit einem Tritt selbst verdichtet.

Wenn man steile Schneefelder rauf oder runter muss, dann wird man das in der Regel mit dem Gesicht zum Hang machen. Ich fand es in solchen Situationen hilfreich, die Trekkingstöcke ganz kurz zu stellen. So kann man ganz gut mit ihnen arbeiten und Gewicht auf sie geben. Ein Pickel wäre da natürlich ein viel bessere Werkzeug. Man wird ihn jedoch häufig nicht dabei haben. Hilfreich kann es zudem sein, sich mit seinen Stiefeln selbst Tritte in den Schnee zu hauen. Dazu können notfalls auch die Stöcke als Werkzeug zur Hilfe genommen werden, wenn der Schnee zu hart ist.

Auch auf dem Schneefeld sollte man sein Ziel nicht aus den Augen verlieren. Keinesfalls sollte man bestehenden Spuren blind folgen. Man sollte zusehen, auf dem einfachsten Weg die Pfadspur nach dem Schneefeld wieder zu erreichen.

5. Verhalten im Falle eines Sturzes

Sofern man stürzt und auf dem Schneefeld abwärts rutscht, gilt es sich möglichst schnell zu stabilisieren und sich auf den Bauch zu drehen. Dann sollte man die sog. Liegestütztechnik anwenden, um zu veruschen, wieder Halt zu finden. Hierzu spreizt man die Arme auseinander und drückt sich vom Berg ab. Zudem versucht man mit den Füßen – in gespreizter Beinstellung wie bei Liegestützen – Halt zu finden. Sofern Ihr Steigeisen tragt, müsst ihr zwingend die Beine anwinkeln und euch bloß auf die Knie stützen, da ansonsten ein Überschlag droht. Beim Bremsen kann man auch gut den Wanderstock oder noch besser den Pickel als Bremshilfe einsetzen. Einen guten Eindruck vom Einsatz der Bremstechniken gibt das folgende Video. Aus ihm wird auch recht deutlich, wie schnell man selbst auf weichem Firn innerhalb kürzester Zeit werden kann.

 

6. Fazit

Es gibt einige Verhaltenstipps, die einem das Begehen eines Schneefeldes erleichtern können. Es liegt aber immer in der Verantwortung des individuellen Bergsteigers einzuschätzen, ob ein Schneefeld a) unproblematisch begangen werden kann b) nur unter  großer Vorsicht, höchster Konzentration und dem Einsatz zusätzliche Ausrüstung begangen werden kann oder es c) nicht begangen werden sollte. Die meisten Schneefelder, auf die ich bislang gestoßen bin, waren schon immer irgendwie machbar. Dass man mit einer zu optimistischen Einschätzung aber auch schnell mal falsch liegen kann, verdeutlichen die eingangs verlinkten Unfallmeldungen. Im Zweifel sollte man also lieber zu vorsichtig als zu mutig sein, da man das von Schneefelder ausgehende Risiko sehr leicht unterschätzen kann.

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Abschließend noch ein paar Links zum Thema:

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2 comments

  1. Als Ergänzung sei noch auf einen sehr interessanten Forumseintrag des AV-Hall in Tirol im Forum hingewiesen: http://www.muenchenvenedig.de/forum/index.php?id=669

  2. Aber die Brille war immer noch diese olle Radfahrbrille, die ich auch 2008 beim Grodfvenediger aufhatte. Da le4uft mir immer der Schweidf innen rutner und ich seh nichts mehr. Diesmal habe ich das aber grf6dftenteils in Kauf genommen. Nochmal wollte ich nicht schneeblind werden. Vor allen Dingen nicht, wenn ich allein unterwegs bin.

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