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Testbericht Mountain Equipment Helium 600 und Xero 550: Daunenschlafsäcke für Kalte Touren

DSCN6212Für unser Islandreise (siehe auch Testbericht Vaude Power Lizard SUL 2-3P), die uns fast bis an den Polarkreis führte, mussten wir uns neue Schlafsäcke mit einem ausreichenden Temperaturbereich zulegen. Da wir Mehrtagestouren planten, waren das Gewicht und das Packmaß ausschlaggebende Auswahlkriterien. Aus diesen Gründen kamen für uns auch nur Daunen- und keine Kunstfaserschlafsäcke in Betracht. Nachdem wir uns ausgiebig informiert und uns bei Globetrotter und Sport Schuster probehalber in einige Schlafsäcke gelegt hatten, fiel die Wahl auf Mountain Equipment. Mountain Equipment ist ein britischer Outdoor-Hersteller, der mich bereits im Bekleidungsbereich überzeugt hat. Wir entschieden uns für den Helium 600 (Herstellerseite) für mich und den etwas wärmeren  Xero 550 (Herstellerseite) für meine Freundin. Die Schlafsäcke verfügen insgesamt über eine sehr ähnliche Ausstattung, sodass große Teile des Testberichts für beide Modelle Geltung haben. Weiter unten gehe ich jedoch ausdrücklich auf die Unterschiede zwischen beidenModellen ein.

Key Facts Mountain Equipment Helium 600

  • Gesamtgewicht: 1080 g
  • Füllmaterial: Entendaunen, 725 cuin
  • 90/10 Mischverhältnis Daunen/Federn
  • Füllgewicht: 600 g
  • Packmaß: 19 cm * 30 cm
  • Extremtemperatur: -23 °C
  • Komfort-Limit-Temperatur: -7°C
  • Komforttemperatur: -1°C
  • Hersteller-Temperaturangabe: – 10°C
  • Maximale Körpergröße: 185 cm (Regular)
  • Schulterbreite: 76 cm
  • Fußraumbreite: 50 cm
  • Integrierter Wärmekragen
  • Außenmaterial: He30, daunen- und winddicht

Key Facts Mountain Equipment Xero 550

  • Gesamtgewicht: 1095 g
  • Füllmaterial: Gänsedaunen, 850+ cuin Bauschkraft
  • 93/7 Mischverhältnis Daunen/Federn
  • Füllgewicht: 550 g
  • Packmaß: 19 cm * 30 cm
  • Extremtemperatur: -25 °C
  • Komfort-Limit-Temperatur: -8°C
  • Komforttemperatur: -1°C
  • Hersteller-Temperaturangabe: – 11°C
  • Maximale Körpergröße: 185 cm (Regular)
  • Schulterbreite: 76 cm
  • Fußraumbreite: 50 cm
  • Integrierter Wärmekragen, daunengefüllt
  • Außenmaterial: He30, daunen- und winddicht
  • Innenmaterial: Supersoft 20

Wärmeleistung

DSCN6216Die Temperaturen können auf Island auch im Sommer nachts bis auf den Gefrierpunkt, mitunter sogar bis in den Minusbereich, sinken. Da wir nach anstrengenden Tagesetappen nachts auf keinen Fall  frieren wollten, entschied ich mich, dass der Schlafsack-Komfortbereich bis mindestens 0°C reichen sollte. Der Mountain Equipment Helium 600 erfüllt diese Anforderung ziemlich genau mit einem Komfortbereich von -1°C. Der Xero 550 ist sogar noch ein wenig wärmer. Da es sich bei dem DIN-genormten Komfortbereich um die Temperatur handelt, bei der eine durchschnittliche Frau gerade noch nicht friert, bestand für uns auch noch ein ausreichend großer Sicherheitspuffer – jedenfalls sofern man bedenkt, dass es im Zelt stets etwas wärmer als draußen ist.

Tatsächlich sind bei uns die Temperaturen regelmäßig bis auf etwa 3°C abgefallen. Gefroren haben wir dabei kein einziges Mal. Ich halte die Temperaturangaben daher für realistisch.

Die beiden Schlafsäcke lassen sich durch die vielen “Einstellmöglichkeiten” sehr gut temperieren. In sehr warmen Nächten kann man den seitlichen Reißverschluss etwas offen lassen und darauf verzichten, die Kapuze zuzuziehen. Wird es kälter, schließt man den Schlafsack. Wird es noch kälter, zieht man die Kapuze zu. Wird es richtig kalt, schließt man auch den Wärmekragen, der verhindert, dass warme Luft aus dem Körperbereich über die Kopföffnung nach außen dringt. Auf Island war es für mich allerdings nur während einer einzigen Nacht erforderlich, den Wärmekragen zu schließen. Bei meiner Freundin sah dies aufgrund des abweichenden Temperaturempfindens natürlich anders aus.

Die ausgefeilte Konstruktion des Schlafsacks und der Daunenkammern gewährleistet stets eine gleichmäßige Daunenverteilung und einen ausreichenden Loft. Das Fußteil der Schlafsäcke ist trapezförmig geschnitten. Dies führt dazu, dass auch bei aufgestellten Füßen die Daunenkammern nicht zusammengepresst werden und der isolierende Daunenloft erhalten bleibt. Die Kapuze verfügt über fünf Daunenkammern, die das Füllmaterial in Position halten. Schräge Daunenkammern am Körper verhindern Kältebrücken und geben dem Schlafsack Stabilität. Dennoch ist es natürlich wichtig, dass man die Daunen gut aufschüttelt, wenn man den Schlafsack am Abend aus dem Kompressionssack holt.

Der Umstand, dass ich im Schlafsack nur in leichter Unterwäsche geschlafen habe und auch bei kalten Temperaturen nicht ansatzweise gefroren habe, macht deutlich, dass man sich auf die Isolationsleistung des Schlafsacks verlassen kann.

 

Schlafkomfort

image6Die beiden Schlafsäcke garantieren einen sehr hohen Schlafkomfort. Sie sind laut Herstellerangabe im schlanken Alpine Fit geschnitten. Man hat im Schlafsack jedoch wirklich viel Platz und fühlt sich nicht eingeengt. Dabei habe ich tendenziell eher breite Schultern. Der Schnitt lässt sich insofern in keiner Weise mit dem des Western Mountaineering UltraLite vergleichen, in dem man fast schon Platzangst kriegt… Auch der Fußraum bietet ausreichend Platz. Ein kleiner Nachteil ist insofern allerdings, dass der seitliche Reisverschluss nicht bis zu den Füßen reicht, so dass man die Füße nicht aus dem Schlafsack schauen lassen kann. Auf Island wäre ich angesichts der Temperaturen aber ohnehin nie auf diese Idee gekommen…

Das Innenmaterial ist sehr angenehm und fühlt sich auch auf der Haut gut an. Die Schlafsäcke rascheln nicht unangenehm. Die Kapuze und der Wärmekragen sind bequem. Ein besonders gut durchdachtes Detail ist, dass für die Kapuze und den Wärmekragen Schnüre mit unterschiedlicher Farbe und Textur verwendet wurden, sodass man auch im Dunkeln unterscheiden kann, an welcher Kordel man gerade zieht. Der seitliche Reisverschluss der beiden Schlafsäcke funktioniert sehr leichtgängig und verklemmt sich dank der speziell konstruierten Abdeckleiste kaum.

Insgesamt fühlt man sich in dem Schlafsack fast wie zuhause.

Helium 600 vs. Xero 550

image4Der Helium 600 und der Xero 550 sind gleich geschnitten, haben eine vergleichbare Isolationsleistung und sind sehr ähnlich ausgestattet. Während der Helium 600 jedoch einen empfohlenen Verkaufspreis von 329,90 EUR hat, hat der Xero 550 einen empfohlenen Verkaufspreis von 459,90 EUR. Dies wirft die berechtigte Frage auf, ob dieser Preisunterschied gerechtfertigt ist.

Der entscheidende Unterschied zwischen den beiden Schlafsäcken liegt in dem verwendeten Füllmaterial. Während der Helium 600 mit Entendaunen mit einer Bauschkraft von 725 cuin versehen ist, ist der Xero 550 mit besonders hochwertigen Gänsedaunen mit der sehr hohen Füllkraft von 850+ cuin versehen. Diese verfügen über eine höhere Isolationskraft, sodass der Xero 550 mit 50g weniger Füllgewicht eine höhere Isolationsleistung erreicht. Ein weiterer Vorteil von Gänsedaunen ist, dass diese geruchsneutraler sind. Dies haben wir auch auf unserer Tour auf Island bemerkt. Ist der Helium 600 beispielsweise durch Schweiß leicht feucht geworden, so hat er leicht nach Daune gerochen. Der Xero 550 war hingegen stets vollkommen geruchsneutral. Der leichte Daunengeruch hat jedoch in keiner Weise gestört.

Inwieweit die Gänsedaunen haltbarer sind als Entendaunen, kann ich nach bloß einer Tour noch nicht beurteilen. Nach dem, was ich gelesen habe, sind Entendaunen nicht prinzipiell weniger haltbar. Vielmehr kommt es auf den Anteil der in den Daunen enthaltenen Öle und Fette im Einzelfall an. Sofern ein Leser hier über Erfahrungswerte verfügt, wäre ich über ein entsprechendes Feedback in den Kommentaren sehr dankbar!

Bei dem doch recht signifikanten Preisunterschied kann man nach meiner Einschätzung wirklich uneingeschränkt zum Helium 600 raten, der über ein wirklich ausgezeichnetes Preis-Leistungs-Verhältnis verfügt. Professionelle Nutzer können darüber nachdenken, sich den Luxus der Gänsedaunen im Xero 550 zu gönnen.

Praktische Erfahrungen

image1-2Im Tourenalltag haben sich die beiden Mountain Equipment Schlafsäcke wirklich gut bewährt. Im Gegensatz zu Kunstfaserschlafsäcken muss man sich aber im Klaren darüber sein, dass Daunenschlafsäcke auch während einer Tour etwas Aufmerksamkeit brauchen. Dies fängt beim Auspacken des Schlafsackes an. So empfiehlt es sich, den Schlafsack direkt nach dem Auspacken im Zelt aufzuschütteln, damit sich die Daunen gut entfalten und gleichmäßig in den Kammern verteilen. Besonders wichtig ist es zudem, dafür zu sorgen, dass der Daunenschlafsack trocken bleibt. Werden Daunen nass, so klumpen sie und verlieren ihre Isolationsleistung. Besonders fatal wäre es natürlich, wenn der Schlafsack im Rucksack durch Regenwasser nass wird. Es empfiehlt sich daher, den Schlafsack in einem wasserdichten Beutel zu transportieren. Denn selbst ein Regenüberzug über dem Rucksack garantiert bei kräftigem Regen nicht, dass der Schlafsack trocken bleibt, da sich die Feuchtigkeit auch über das Tragesystem und den Rücken ihren Weg in das Rucksackinnere bahnt. Zudem wird der Schlafsack auch durch das nächtliche Schwitzen feucht. So schwitzt ein Mensch nachts gerne einmal bis zu 500ml. Aus diesem Grund ist es wichtig, dass man den Schlafsack regelmäßig auslüftet. Das kann man zum Beispiel gut machen, wenn man das Glück hat, dass beim Frühstück die Sonne scheint und man die Schlafsäcke einfach über das Zelt legen kann.

image4-1Besonders positiv ist in diesem Zusammenhang auch die gute Imprägnierung der beiden Schlafsäcke hervorzuheben. Wir hatten mitunter mit recht starker Kondenswasserbildung im Zelt zu kämpfen, so dass es teils auch auf unsere Schlafsäcke getropft hat. Gerade im Fußbereich war dies ein Problem. Die Tropfen sind aber glücklicherweise alle vom Schlafsack abgeperlt.

Nachdem wir an einigen Tagen mit sehr schlechtem Wetter zu kämpfen hatten und unsere Sachen alle latent klamm waren, hat man auch gespürt, dass die Schlafsäcke einen recht hohen Grad an Feuchtigkeit erreicht hatten. Glücklicherweise sind die Daunen aber auch nicht überempfindlich, sodass die Isolationsleistung nur leicht abnahm und wir nicht frieren mussten.

Fazit

DSCN6223Ich bin total begeistert von den beiden Mountain Equipment Schlafsäcken. Beide Schlafsäcke zeichnen sich durch eine sehr hohe Verarbeitungsqualität, eine hohe Wärmeleistung und ein geringes Gewicht aus. Der Helium 600 besticht zudem auch noch durch ein überragendes Preis-Leistungs-Verhältnis. Für einen so guten Schlafsack kann man sonst gut und gerne 200 EUR mehr ausgeben. Der Xero 550 wird angesichts der Stärke des günstigeren Helium 600 wohl vor allem für “professionelle” und regelmäßige Nutzer interessant sein. Ich kann beide Schlafsäcke uneingeschränkt empfehlen.

Den Mountain Equipment Helium 600 gibt es bei den Bergfreunden und bei Globetrotter für 329,95 EUR. Den Xero 550 gibt es ebenfalls bei den Bergfreunden und Globetrotter für 459,90 EUR.

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